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Axel Büker will mit statt über Kinder und Jugendliche reden

„Laut mit Maske“: Meinungen, Wünsche und Forderungen zu Corona gefragt

Von Rauke Xenia Bornefeld

Aachen Kultusminister streiten über Präsenz- und Wechselunterricht, Kinderärzte warnen vor zunehmender Gewalt in Familien, Lehrerverbände befürchten Lernrückstände – in den Diskussionen um die richtigen Maßnahmen in der Pandemie melden sich viele Berufsgruppen im Kinder und Jugendbereich zu Wort.

„Einzig die Jugendlichen werden nicht gefragt, was sie möchten, was sie besonders vermissen und was ihre Probleme sind“, kritisiert Axel Büker, synodaler Jugendreferent des evangelischen Kirchenkreises Aachen. Die Diskussion um die Corona-Schutzverordnung sei ein gutes Beispiel, dass zwar oft über Kinder und Jugendliche, aber nicht mit ihnen geredet werde.

Deshalb startet die evangelische Jugend im Kirchenkreis Aachen heute die Kampagne „Laut mit Maske“. Auf der gleichnamigen Webseite oder eingeworfen in Briefkästen an Jugendeinrichtungen können Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene – egal ob kirchennah oder eher der Jugendfeuerwehr oder dem Sportverein verbunden – die Auswirkungen von Corona-Regeln auf ihr Leben beschreiben und ihre Forderungen anonym formulieren. Andere können diesen zustimmen oder sie ablehnen. Dieses vermutlich diverse Meinungsbild soll später politischen Entscheidungsträgern vorgestellt werden. „Wir werden keine Plattform für Verschwörungstheoretiker bieten, aber junge Menschen sollen endlich zu hören sein“, sagt Büker.

Zwei Bausteine

Die Kampagne ist ein Baustein, um das Thema Jugendpartizipation im Kirchenkreis Aachen voranzubringen. Ein weiterer ist die Schaffung einer neuen Projektstelle eines Referenten oder einer Referentin für Jugendpartizipation und kommunale Jugendpolitik. Sie wird beim Kirchenkreis Aachen angesiedelt, aber vom Landesjugendring NRW für drei Jahre finanziert.

Rund 500 junge Menschen sind im evangelischen Kirchenkreis Aachen ehrenamtlich aktiv. Geschätzt das Zehnfache an Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 27 Jahren erreichen sie mit ihrem Engagement. Diese jungen Leute sollen bei ihrer Arbeit alles Mögliche sein: konsequent, kreativ, offen, authentisch, organisiert, verlässlich, sportlich, konfliktfähig, jederzeit mit einem offenen Ohr und den Überblick wahrend… Die Liste der Erwartungen ist lang. Aber ihre Mitwirkungsmöglichkeiten in den Gemeinden sind ausbaufähig – findet das Jugendreferat des Kirchenkreises.

Dass Jugendliche und junge Erwachsene Kirche mitgestalten wollen, zeigte sich 2019 an den Diskussionen bei der ersten und bislang einzigen Jugendsynode der evangelischen Landeskirche im Rheinland. „Aber in den Gemeindegremien kommen die jungen Leute eben oft nicht vor – weil sie nicht können oder vielleicht auch nicht wollen. Obwohl die Kirchenordnung ihre Mitwirkung an Zukunftsfragen explizit fordert“, sagt Büker. „Die Gremienarbeit, die Jahrzehnte gewachsen ist, erscheint Jugendlichen oft nicht gerade sexy. Und die Verantwortungsübertragung von Erwachsenen an Jugendliche, die wichtiger Bestandteil von Partizipation ist, muss noch geübt werden.“ Man dürfe nicht bei den Vorstufen der Partizipation – Meinungen einholen und informieren – hängen bleiben, sondern müsse echte Mitbestimmung zulassen.

Weil Jugendpartizipation nicht nur in der evangelischen Kirche ausbaufähig ist, werden die Wirkungsbereiche der Referentenstelle deutlich über die evangelischen Kreise hinausreichen: Vernetzung mit anderen Jugendverbänden, Hineinwirken in kommunale Strukturen, möglicherweise auch „europäische Schlenker“ in die Nachbarländer Belgien und Niederlande. „Jugendarbeit lebt davon, dass wir nicht fragen, wo jemand konfessionell oder lokal herkommt, sondern dass er sich wahrgenommen fühlt und mitgestalten kann“, beschreibt Büker die Grundlagen von verbandlicher Jugendarbeit. Weiter gedacht gelte das auch für die Demokratie, deren Wert Kinder und Jugendliche nur durch vollständige Partizipation erfahren könnten.

www.lautmitmaske.de
jugend.ac

(AZ/AN v. 08.02.2021)

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