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Bewegendes Abendgebet mit und für Ukrainer

Rund 90 Menschen waren der Einladung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Aachen in die Annakirche gefolgt - Ein Abend des Miteinanders

Es sollte ein Abend des Willkommens und des Miteinanders werden, der verschiedenen christlichen Kirchen und der Aachener mit ihren neuen Nachbarn aus der Ukraine. Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Aachen (ACK) hatte zum ökumenischen Abendgebet für Ukrainerinnen und Ukrainer in die evangelische Annakirche eingeladen.

„Friedensgebete gab es seit Beginn des Krieges regelmäßig. An diesem Abend wollen wir nicht allein für die Menschen aus der Ukraine beten, sondern mit ihnen“, erklärte Hausherr Pfarrer Armin Drack die Idee der ACK. Es sollte ein Abend der Begegnung sein, des Kennenlernens und Kontakteknüpfens, weshalb alle Teilnehmenden im Anschluss noch zu einem gemütlichen Zusammensein bei Suppe und belegten Brötchen ins Haus der evangelischen Kirche eingeladen waren.

Die Idee ging auf: Mehr als 90 Menschen sind zum Abendgebet gekommen, darunter auch einige aus der Ukraine. Ein großer Teil von ihnen nahm auch die Einladung zum anschließenden Essen an. Ein Miteinander über Sprach- und Konfessionsgrenzen hinweg gibt es auch bei den Organisator*innen und denen, die das Abendgebet gestalteten.

Gemeinsames Zelebrieren der orthodoxen Liturgie

„Gottesdienst“ haben sie es bewusst nicht genannt, weil der für die beiden beteiligten ukrainischen Gemeinden völlig anders ausschaue, erläutert Armin Drack. Für die ACK war neben Pfarrer Drack für die evangelische Kirchengemeinde Aachen, Birgit Schindler, Pastorin i. R. für die Vineyard-Gemeinde Aachen dabei. Pastor i. R. Siegmar Müller von der Freien evangelischen Gemeinde Aachen war kurzfristig verhindert. Als Gäste gestalteten Volodymyr Soroka, Erzpriester der ukrainisch-orthodoxen Kirchengemeinde Krefeld und Andrii Oliinyk, Priester der ukrainischen griechisch-katholischen Kirchengemeinde Aachen das Abendgebet mit. Sie sprachen gemeinsam die Liturgie. Es war eine Besonderheit, dass diese beiden Konfessionen zusammen am Altar standen. Begleitet wurden sie dabei von einem Chor aus vier Frauen der ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde.

Hoffnung auf Frieden in Gerechtigkeit und Freiheit

Zuvor hatte Armin Drack die Besucher*innen in der Annakirche willkommen geheißen, deren Decke zu diesem Anlass blau angestrahlt war. Sie alle seien an diesem Abend bei aller Verschiedenheit als Christen verbunden in Jesus Christus durch den Heiligen Geist. „In Friedenszeiten hätten wir ein fröhliches Fest der Begegnung gefeiert, aber wir sind ja im Krieg.“ Die Menschen in der Ukraine erlebten Schreckliches und wir hier seien mit ihnen fassungslos. Gemeinsam trügen sie als Aachener Christen die Hoffnung auf Frieden, einen „Frieden in Gerechtigkeit und Freiheit, auch vor Gott“, und irgendwann auch auf Versöhnung im Gebet vor Gott. Vor ihm seien sie alle bereits eins unter seinem Dach. ‚Gottesdienstbesucher 2. Klasse‘ gebe es nicht. „Ihr seid mitten unter uns so zuhause wie in Eurer Heimat“, hieß er die Geflüchteten aus der Ukraine willkommen.

Dass es manchmal nicht viele Worte braucht, um sich miteinander vertraut zu fühlen, unterstrichen fünf Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren, die das Abendgebet mit mehreren gemeinsam gespielten Liedern ebenso bereicherten wie zuvor schon der Frauenchor. Alle fünf sind Mitglieder der Aachener Vineyard-Gemeinde: Emilia und Daniel sind vor sechs Jahren mit ihren Familien vor Putin aus Russland geflohen, Marina und Mark vor sechs Wochen mit ihrer Familie aus Charkow, wo ihr Vater, Aleksei Kazakov, Pastor der baptistischen Gemeinde war, Elia kommt aus Alsdorf.

Kontakte herstellen als Ziel des Abends

Der Abend habe bereits zu einigen Kontakten geführt, wie zum Beispiel zu den beiden ukrainischen Priestern, freuten sich Armin Drack und Birgit Schindler. Und auch, dass Schutzsuchende aus der Ukraine gekommen sind. So könne ein Netzwerk zwischen Christinnen und Christen in Aachen entstehen, könnten sie Menschen weitervermitteln, zum Beispiel zu den Gottesdiensten der ukrainischen Gemeinden. „Es sind nun einmal wenige Lutheraner unter den Geflüchteten“, so Pfarrer Drack.

Seine Gemeinde leiste dafür seit Beginn des Krieges in vielen Einzelfällen, unterstützt durch das diakonische Werk, menschliche Hilfe. Aktuell werde gerade eine Wohnung für Geflüchtete fertig gestellt. Wichtig sei, den Menschen zu zeigen, dass sie hier willkommen seien und nicht allein. Etwas, das auch in den Reaktionen der anwesenden Menschen aus der Ukraine zum Ausdruck kam: „Das alles gibt ein warmes Gefühl“, fasste es eine der Ukrainerinnen zusammen.

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