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"Danke, dass ihr euch bereit erklärt für diesen Dienst"

11 Ehrenamtliche werden nach knapp einjährigem Kurs zu neuen Notfallseelsorgenden beauftragt - Vorbereitung ist eine intensive Zeit

Viele Donnerstagabende, interessante, tolle DozentInnen und Theorien, viel Stoff, so einige Rollenspiele, lebhafte, konstruktive Diskussionen und viel Auseinandersetzen mit sich selbst, Tod und Sterben. Das Neu-Kennenlernen oder Weiterentwickeln der eigenen Spiritualität.Ein 24-Stunden-Praktikum bei der Feuerwehr, das alle als besonders erlebt haben.

Und dann ist die Ausbildung von jetzt auf gleich plötzlich zu Ende. Man hat vorher noch gemeinsam gegessen, einige Formulare besprochen und unterschrieben. Dann ist der Abend da: die feierliche Beauftragung der neuen ehrenamtlichen Notfallseelsorgenden mit Familie und Freunden und den alten Hasen/Häsinnen der Notfallseelsorge Ende Oktober in der Citykirche.

„Wo zwei oder drei, in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen…“ Ralph, Bettina, Michaela, Marion, Karen, Elke, Sibylle, Martina, Claudia, Sebastian waren da, Charly hatte wegen hohem Fieber leider passen müssen.

Mut, Menschen in Ausnahmesituationen zu begleiten

„Danke, dass ihr euch bereit erklärt für diesen Dienst. Seit 1999 gibt es die Notfallseelsorge in Stadt und Land Aachen. Heute wird sie wieder offiziell Verstärkung bekommen. Wir werden in diesem Gottesdienst heute elf Menschen nach fast einjähriger Ausbildung offiziell mit dem Amt des Notfallseelsorgers/der Notfallseelsorgerin beauftragen. Wir bitten Gott um seinen Beistand für euch und geben euch stellvertretend seinen Segen mit auf den Weg“, so die Begrüßung durch Rita Nagel, die katholische Koordinatorin der Ökumenischen Notfallseelsorge für die StädteRegion Aachen.

In einer sehr persönlichen Predigt teilte Superintendent Hans-Peter Bruckhoff Gedanken zu einem Text aus dem Alten Testament (Hesekiel 34, 16): „Das Schwache stärkt ihr nicht, und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt. Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.“

In seiner Auslegung skizzierte Bruckhoff die vielfältigen Veränderungen in unseren Familien, in unserer Gesellschaft und in unserem Land. Das führt Menschen häufig zunehmend an den Rand ihrer Kraft, ihres Fassungsvermögens, ihrer Gesundheit an Leib und Seele. Von hier zog er eine Linie zur Notfallseelsorge: Menschen in der Notfallseelsorge lassen sich darauf ein und begleiten (in)Ausnahmesituationen.

Funktioniert nur durch viele Schultern

„Genau darin, in diesem herausfordernden und zugleich sehr begrenzten Dienst lassen Sie sich auf Ihre Mitmenschen ein und stärken Sie mit Ihrer Zeit, Ihrem Zuhören und Ihrer Kraft. Sie alle, die Sie heute als Notfallseelsorger*innen gesegnet und beauftragt werden, lassen sich ein auf die Situation des Nächsten in Not, auf Ausnahmesituationen, die alle Beteiligten überfordert. Sie gehen da hinein und wieder hinaus. In diesem Tun liegt Segen, Gott selbst ist gegenwärtig in solchen Situationen und Momenten.“ Er spricht die neuen Notfallseelsorger*innen direkt an: „Es wird sehr viele Momente der Not und der Überforderung geben und Sie können gar nicht überschätzen, wie viel Kraft solche Aufmerksamkeit und Anteilnahme schenkt und wie weit die Folgen und Wirkungen solcher Begegnungen sind.
Genau das kann den Unterschied ausmachen, aus der Verlorenheit zurückgeholt zu werden oder allein zu bleiben, die eigene Schwachheit zulassen zu können, weil ein Gegenüber dafür einen Raum eröffnet.
Ich wünsche Ihnen in diesem Dienst die Erfahrung, dass Sie dabei nicht allein die Starken sein müssen, dass Sie in der Kraft Ihrer Gemeinschaft und in der fachlichen und persönlichen Begleitung in der Notfallseelsorge selbst mitgetragen sind von anderen. Gott segne Sie und alle, die Ihnen in Ihrem Dienst anbefohlen sind.“ 

Die beiden Kordinator*innen schließen sich an: „Ihr habt Euch heute bereit erklärt, bei der Rufbereitschaft der Notfallseelsorge mitzumachen. Ihr wollt Eure Kraft und Eure Zeit für Menschen einsetzen, die akut von seelischem Leid betroffen sind. Ich danke Euch dafür, denn ohne Euer Engagement wäre dieser Dienst nicht aufrecht zu erhalten. Nur auf viele Schultern verteilt kann solch eine Rufbereitschaft Tag und Nacht und das ganze Jahr über gewährleistet werden.“

Was können wir Euch mitgeben für diese Aufgabe?
Notfallseelsorge ist...
...Zeit zuzuhören, Tränen und Schweigen auszuhalten,
...Zeit der Klage und der Trauer Raum zu geben,
...Zeit standzuhalten und sich dem Dunkel stellen, auch wenn es schwerfällt,
...Zeit Nähe zu schenken
...Zeit, die ersten behutsamen Schritte mitzugehen in ein verändertes Leben.

Text: Eckhard Weimer

Kontakt

Heike Keßler-Wiertz

Vorständin

Geschäftsstelle
Reichsweg 30
52068 Aachen

0241 / 56 52 82 90

Andreas Schäffer

Ehrenamtlicher Vorstand

Geschäftsstelle
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52068 Aachen

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