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Der Herrnhuter Stern

Nach einem Vortrag von Dr. Günther Heinrichs am 05.01.2024

Fast jeder hat ihn schon gesehen, wenige kennen seinen Namen, kaum einer kennt die Geschichte seiner Entstehung. Der erste Herrnhuter Stern wurde zu Dreikönig 1722 gezeigt. Der Mathematiklehrer der Internatsschule Niesky der Herrnhuter Brüdergemeine hatte ihn konstruiert und gebaut.

Die Freikirche Herrnhuter Brüdergemeine ist die Nachfahrin der Böhmischen Brüder, einer frühen Reformationsbewegung.

Der Blick in die Geschichte zeigt ab 1300 in Böhmen und Mähren - damals Österreich zugehörig - die aufkommende Unzufriedenheit mit der Kirche, und erste Gedanken einer Reformation mit dem Ziel der Unabhängigkeit von Rom. Der Führer einer ersten Bewegung, Johann Hus, wurde 1415 auf dem Konzil in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Im Jahr 1457 fanden die Böhmischen Brüder zusammen - 60 Jahre vor Martin Luther.

Ruhe trat erst 1555 mit dem Augsburger Religionsfrieden ein, als die Religionsfreiheit mit „cuius regio eius relegio“ (wessen das Land, dessen die Religion) vereinbart wurde. In diese Zeit fällt die Gründung unserer Gemeinde Zweifall 1575.

Die Religionsfreiheit sollte nicht lange gelten. Als 1618 das Aufhebungsdekret des böhmischen Königs den Prager Adligen übergeben wurde, warfen diese die Überbringer aus dem Fenster. Das war der Beginn des Dreißigjährigen Krieges…

Die ersten drei Handwerker-Familien wurden von Graf Zinzendorf aufgenommen und erhielten Land. Weitere Familien folgten. Sie gründeten den Ort Herrnhut - sie wollten „unter der Hut des Herrn leben“.

1727 gründeten sie dann die „Erweiterte Brüderunität“ als Kirche mit dem Namen „Herrenhuter Brüdergemeine“. (alte Schreibweise von „Gemeinde“)

Graf Zinzendorf und die Brüdergemeine passten gut zusammen. Zinzendorf war autodidaktischer Theologe und Pietist. Der Pietismus sagt: „Nicht der Glaube allein, sondern Frömmigkeit und Lebenswandel sind entscheidend“. Zinzendorf verdanken wir viele Kirchenlieder und das Tischgebet „Komm Herr Jesus, sei unser Gast…“.

Eine große Aufgabe sieht die Brüdergemeine in der Missionstätigkeit, nicht nur in Verkündigung der Christlichen Botschaft bei indigenen Völkern, sondern auch in der Verbesserung der Lebensumstände durch Handwerk, Gewerbe und Medizin. Eine Vorbedingung für die Missionare war deshalb ein gelerntes Handwerk!

Die Missionstätigkeit der Brüdergemeine begann 1732 in Holland, Grönland, der Karibik, Guyana und Surinam und den USA, später in Südafrika und Tansania.

Eine zweite große Aufgabe war die Bildungsvermittlung durch Schulen, auf Basis der pädagogischen Arbeiten von Johann Commenius. Zehn Jahre nach Aufnahme der Missionstätigkeit wurde die erste Schule in Germantown (Philadelphia) eröffnet. In Deutschland erst 1771 das Internat in Niesky. Heute gibt es Schulen in 35 Ländern auf fünf Kontinenten.

Die Herrnhuter Brüdergemeine ist trotz großer Leistungen eine kleine Kirche geblieben und hat heute ca. 1,2 Millionen Mitglieder.

Das Internat in Niesky war auch die Schule für die in der Heimat gebliebenen größeren Kinder der Missionare. Das Leben im Internat unterliegt besonderen Bedingungen und ist von Aufsicht und Beschäftigung der Heimschüler über 24 Stunden geprägt. Dies war in Zeiten ohne Elektrizität, also vor 1880, in der Winterzeit besonders schwer zu ertragen. Und so wollte der Mathematiklehrer als Freizeitgestaltung handwerkliche Beschäftigung mit Mathematik und Geometrie verbinden und den Heimschülern nahebringen. Dazu entwickelte er den Stern. Der erste Stern bestand aus einem Rundkörper, gebildet aus unterschiedlichen Flächenteilen. Je kleiner die Flächenstücke, desto runder die Kugel. Beispiel Fussball! Auf diesem Körper wurden die Zacken befestigt. Um einen harmonischen Eindruck zu erreichen, müssen bei der Konstruktion des Sterns die Maße des Körpers und die großen Zacken aufeinander abgestimmt werden, schließlich auch die Zacken untereinander.

Der erste Herrnhuter Stern hatte 17 viereckige weiße und 8 dreieckige rote Zacken aus Papier. Die weiße Farbe steht für Reinheit, die rote Farbe für das Blut Christi. Die Konstruktion war genial. Aber der Bau schwierig und mit den damaligen Mitteln bei Öllampenlicht zeitaufwändig. Deshalb erfolgte die Verbreitung des Sterns sehr langsam.

So kamen über die Zeit weitere Konstruktionen auf. Mit der später möglichen elektrischen Innenbeleuchtung stieg die Nachfrage. 1897 wurde eine Fertigung von Teilen und Baukästen eingerichtet. Kunden konnten den Stern nun aus vorgefertigten Teilen zusammenbauen.

Heute ist das weitgehend industriell hergestellte Produkt „Herrnhuter Stern“ an den Gebrauch soweit angepasst, dass es ohne Körper auskommt. Die Zacken können platzsparend im Regal gelagert werden.

(Auszug aus Gemeindebrief Nr. 229, 3-4/2024)

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