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"Ein treuer und revolutionärer Diener Gottes"

Pfarrer Mario Meyer wurde sehr emotional in der Aachener Genezareth-Kirche in den Ruhestand verabschiedet - 31 Dienstjahre umfassten gute wie auch harte Zeiten und vor allem den Neubau der Kirche

Hans-Peter Bruckhoff obliegt qua Amt die Entpflichtung von Pfarrern und Pfarrerinnen, die in den Ruhestand oder zu einer anderen Pfarrstelle wechseln. Selten lässt sich der Superintendent des Kirchenkreises Aachen aber so in sein Inneres blicken, wie er es beim Verabschiedungsgottesdienst für Pfarrer Mario Meyer am vergangenen Sonntag in der Aachener Genezareth-Kirche tat. „Kollege, Mitbruder, Freund – bei Dir ist das nicht immer auseinanderzuhalten, denn mit Dir ist es immer sehr persönlich“, sagte Bruckhoff. „Du riskierst etwas im Leben und im Glauben, bist ein treuer und revolutionärer Diener Gottes. Für mich und andere warst Du ein verlässlicher Mitstreiter, auch in harten Zeiten.“

Kirchenneubau als Hoffnungszeichen

31 Jahre hat Meyer die Kirchengemeinde im Aachener Westen und in ganz Aachen geprägt. Er hat Spuren hinterlassen – nicht zuletzt in Stein gemeißelt durch den Ort, an dem er seinen Abschied in den vorzeitigen Ruhestand aus gesundheitlichen Gründen nahm. Der Neubau der Genezareth-Kirche an der Vaalser Straße und die Zusammenlegung der Gemeinden des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses und der Arche waren ein Wagnis und bei vielen Gemeindegliedern und in der Stadtgesellschaft nicht unumstritten.

„Der Kirchbau wurde aber auch als Hoffnungszeichen wahrgenommen über die Grenzen des evangelischen Aachens hinweg“, resümierte er in seiner Predigt zu Jesaja Kapitel 55, Vers 8 bis 11: „Denn eure Gedanken sind nicht meine Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege…“. Ein Zeichen ebenso für Katholiken und Muslime dafür, dass die Macht Gottes durch die Dunkelheit der Welt nicht in Frage gestellt sei. „Eine Kirche mit Osterhoffnung muss nicht sprachlos bleiben.“

Moment der Einigkeit

Obgleich ihm fernliegt, den Neubau der an diesem Tag voll besetzten Kirche als sein Verdienst zu verbuchen. „Ich war mit meinem Latein am Ende und habe Gott gesagt: ‚Wenn Du die Kirche willst, musst Du etwas tun‘. Und dann gab es im Gesamtpresbyterium diesen seltenen Moment der Einigkeit“, erinnerte er sich. „Wir alle waren getragen von der Überzeugung: Gott lässt sein Wort nicht leer zurückkommen.“

Nicht nur beim Kirchenneubau habe Gott ihn in eine Situation gebracht, „die ich mir nicht immer ausgesucht habe“, sagte er. „Das begann mit der ersten Stelle als Pfarrer zur Anstellung in einer psychiatrischen Klinik, in die ich ohne Ausbildung geschickt wurde. Es war meine härteste Zeit, aber sie war gut für mich.“

Abschied fällt nicht leicht

Auch in Aachen – hier war er unter anderem von 2008 bis 2015 neben seiner Pfarrstelle im Dietrich-Bonhoeffer-Haus Vorsitzender des Gesamtpresbyteriums – sei nicht alles so gelaufen, wie er sich das vorgestellt habe. Aus Aachen bewarb er sich zwei Mal erfolglos weg, aber „die übergeordnete Führung sah Aachen als den Ort für mich“.

Der Abschied nun fällt ihm gleichwohl nicht leicht, „denn jetzt wollte ich die Arbeit hier gestalten, mindestens noch fünf Jahre“, erklärte der Pfarrer, der sich die Arbeit für den Gemeindebereich West mit seiner Kollegin Bettina Donath-Kreß teilte. „Aber ich bin gewiss: Gott wird nicht nur mich weiterführen, sondern auch die Gemeinde im Aachener Westen und in ganz Aachen.“

Dass er bereits viel Bleibendes gestaltet hat, wurde bei der Entpflichtung durch Superintendent Bruckhoff deutlich. Seine Worte „Deine Früchte sind spürbar“, quittierte die Gemeinde mit spontanem Applaus und stehenden Ovationen.

Text: Rauke Bornefeld

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