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Gedenken und Danken zum Jahrestag der Flut in Kall

Ökumenischer Gottesdienst auf dem Bahnhofsvorplatz - Seit der Flut ist die Unbeschwertheit verschwunden

Es war ein besonderer Moment auf dem Bahnhofsvorplatz in Kall, der, oft gescholten wegen der großflächigen Versiegelung und Eintönigkeit der Gestaltung, nun eine ganz neue Funktion erlangte. Als Ort für den ökumenischen Gottesdienst im Rahmen des Dankesfestes der Gemeinde Kall war es möglich, dem Platz neue Qualitäten zuzugestehen. So kam nicht nur die Fläche positiv zur Geltung, auf der die Gottesdienstbesucher auf Stühlen sitzen konnten, sondern auch die kleine Empore, die zwischen die weitläufigen Treppen gebaut worden war, wurde nun als Altarraum und Predigtkanzel zum ersten Mal wirklich genutzt.

So konnten die Gottesdienstbesucher sich dort, wo nach der Flut sich Schutt und Schlamm angesammelt hatte, den Worten von Pfarrer Christoph Ude und seinem katholischen Amtsbruder Hajo Hellwig lauschen. Rund 250 Menschen nahmen an dem Gottesdienst teil, darunter auch Landrat Markus Ramers und Bürgermeister Hermann-Josef Esser. aber auch die Angehörigen der drei Personen, die in der Gemeinde Kall von der Flut im Juli 2022 getötetet worden waren. Für die musikalische Gestaltung sorgte der Kirchenchor Kall unter der Leitung der Regionalkantorin Holle Goertz.

Überall Zerstörung

„Gedenken und Danken“, unter diese Prämisse hatte Bürgermeister Esser das Fest gestellt. Und so erinnerten die beiden Geistlichen an die Ereignisse in der Flutnacht vor einem Jahr. Mit dem Psalm 69, der oft in den Tagen nach der Katastrophe gebetet worden war, beschworen sie die Stimmung in dieser Zeit herauf: „Rette mich, Gott, denn das Wasser reicht mir bis an die Kehle, ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist.“

„Es war Zerstörung, wo man nur hinsah“, beschrieb Ude das Szenario, das sich am Morgen des 15. Juli in Kall und andernorts gezeigt habe. Nach einem Jahr seien die Tage ganz nah. „Wir spüren die Verletzungen, sehen die Schäden und denken an die Gestorbenen“, sagte er. Die Menschen dachten an das Verlorene, wie könne das Geschehene vergessen werden.

„ Eine Nacht des Grauens“ nannte Hellwig die Stunden, als Kall von der Urft und dem Kallbach überflutet worden war. Stockfinster sei es gewesen, Handys tot, die Menschen seien ausgeliefert, ohnmächtig und hilflos gewesen. „Bist Du ein Gott des Lebens?“, fragte er. Nicht alle Menschen hätten gerettet werden können, drei Bürger der Gemeinde seien bei der Flut gestorben. Eine weitere Lesung kam von Diakon Andreas Hahne.

Vieles sei wieder aufgebaut worden, die Farben seien wieder zurückgekehrt. Und doch: „Kall ist nicht mehr so, wie es war“, sagte Hellwig, der Zug nach Trier fahre noch immer nicht.

Zeit zu handeln

Ude erinnerte an die Stunden der Panik am Donnerstag nach der Flut, als behauptet worden war, der Damm der Oleftalsperre würde brechen. Er dankte für die Hilfe, die durch Feuerwehr und Rettungsdienste geleistet worden seien, aber auch durch die Helfer, die die Menschen im Betreuten Wohnen gerettet hätten. Die Tage hätten Spuren bei den Menschen hinterlassen.

„Die Flutnacht wurde zum Trauma“, führte er aus. Die Unbeschwertheit in den Herzen der Menschen sei verschwunden. Durch Ereignisse wie die Hochwassernacht seien die Vorzeichen der Klimakatastrophe deutlich zu sehen. „Wir sind nur ein Teil der Schöpfung“, mahnte er. Es sei Zeit, nicht weiter am Ast zu sägen, auf dem man sitzt, sondern herabzusteigen und die Säge wegzulegen.

Im Anschluss an den Gottesdienst hielten Esser und Ramers Reden zum Gedenktag. Über ihre Erlebnisse in der Flutnacht berichteten Wolfgang Glasmacher und Annika Boden. Diese hatte war im Haus der Lebenshilfe in der Hindenburgstraße von den Mitarbeitern des Hauses vor der Flut gerettet und in den ersten Stock gebracht worden. Sie berichtete, wie die Bewohner dort zusammengesessen und Angst gehabt hätten. Danach habe sie im Haus ihrer Eltern in das Kinderzimmer zurückziehen müssen. Erst im November sei sie zur Lebenshilfe zurückgekehrt, worüber sie sehr froh sei.

(Text: Stephan Everling)

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