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Gemeinde und Weggefährten verabschieden Pfarrer Erik Schumacher

Nach 26 Jahren Wechsel zur EKD in Hannover - Aufgabe als Theologischer Referent für den Nahen Osten durch aktuelle Lage noch schwieriger als gedacht

Es fehlten der Baum und die Krippe, doch ansonsten weckte der Termin am Sonntagnachmittag für seinen Abschiedsgottesdienst in der Kirche in Hellenthal bei dem Schleidener Pfarrer Erik Schumacher Reminiszenzen an den alljährlichen Weihnachtsgottesdienst. „Wow, das ist ein Gefühl wie Heiligabend, das Gefühl lässt mich schon den ganzen Tag nicht los“, sagte er zur Eröffnung. Sogar die Uhrzeit stimme.
Doch ging es bei dem Gottesdienst nicht um die Ankunft von Jesus auf der Erde, sondern um den Fortgang eines langjährigen Geistlichen aus der Eifel. Nach 26 Jahren als Pfarrer in Gemünd, in der Gemeinde Hellenthal-Schleiden und schließlich in der Trinitatis-Kirchengemeinde Schleidener Tal geht Schumacher nach Hannover, um dort eine neue Aufgabe als Theologischer Referent im Nahen Osten bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) anzutreten. 

Neue Aufgabe "zwischen Mühlsteinen"

Schon während der letzten Jahrzehnte wäre das ein herausfordernder Posten gewesen, doch seit dem 7. Oktober sieht es noch schwieriger aus. „Es wird die Aufgabe sein, Brücken zu bauen“, sagte Schumacher. Ein besonderes Augenmerk liege auf dem Kontakt zu den evangelischen palästinensischen Kirchengemeinden, für die Schumacher einen Ansprechpartner darstellen wird. Dass der scheidende Pfarrer gehörigen Respekt vor der neuen Aufgabe hat, war unverkennbar. „Die Menschen sind traumatisiert“, sagte er. Der gegenseitige Hass sitze tief, bei Israelis wie auch bei Palästinensern. Die Evangelische Kirche in Deutschland habe an Glaubwürdigkeit verloren und sitze im Nahen Osten zwischen allen Stühlen. „Ein Kollege hat schon gesagt, wir stehen dort zwischen Mühlsteinen“, schilderte er die Brisanz der aktuellen Situation. 

1997 als junger Pfarrer nach Gemünd gekommen

„Ihr wart die beste Gemeinde, in der zu arbeiten man sich wünschen kann“, bedankte er sich für die vielen Jahre in der Eifel. 1997 war er als junger Pfarrer nach Gemünd gekommen, nachdem er dem Lockruf des dortigen Pfarrers Hans-Peter Bruckhoff gefolgt war. Vorher sei er als Assistent an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal gewesen und habe noch ein einjähriges Judaistikstudium absolviert, berichtete er. „Insofern schließt sich für mich der Kreis“, so Schumacher. 

Rund 150 Menschen waren in die Evangelische Kirche in Hellenthal gekommen, um sich von Pfarrer Schumacher zu verabschieden. Darunter viele Weggefährten auch aus seinen Tätigkeiten im Kirchenkreis Aachen, wo er unter anderem dem Finanzausschuss vorstand und auch als Sprecher des Diakonischen Werks aktiv war. Neben den Pfarrerkollegen Oliver Joswig, Christoph Ude und Christoph Cäsar war auch Schumachers katholischer Amtskollege Philipp Cuck mit dabei. Superintendent Bruckhoff dankte Schumacher für die gemeinsame Zeit und segnete ihn für seine neue Aufgabe. 

Musikalische Tätigkeit besonderer Schwerpunkt für das Ehepaar Schumacher

Mit seiner Frau Heike erinnerte Schumacher an die Zeit in Schleiden. Ein besonderer Punkt sei dabei die musikalische Tätigkeit gewesen, die besonders durch die intensive Zusammenarbeit mit Werner Harzheim geprägt sei, sagte Heike Schumacher. „Wichtig ist gewesen, ein Grenzgänger zwischen Wort und Musik zu sein“, betonte auch ihr Mann.   Normalerweise sei sie die erste gewesen, die die Predigten ihres Mannes zu hören bekommen habe. Dabei habe sie auch ehrlich ihre Meinung gesagt, und die Kritik habe er auch tapfer ertragen. „In guten, wie in schlechten Tagen“, ergänzte Schumacher aus dem Hintergrund. Regelmäßig habe er die Tageslosung auf Griechisch und Hebräisch vorgelesen, berichte seine Ehefrau. Geplant sei, dass die Familie weiterhin ihren Hauptwohnsitz in der Eifel haben und Heike Schumacher weiter am Johannes-Sturmius-Gymnasium arbeiten werde. Erik Schumacher werde in Hannover bei der EKD arbeiten und im Frühjahr erste Reisen in den Nahen Osten unternehmen. So werde er nach Jerusalem, Beirut und Amman fahren. 

Vom Abschiednehmen sichtlich berührt

Er freue sich auf den Gottesdienst, hatte Schumacher kurz vorher gesagt. Doch nach seinen offenen Worten musste er doch tief durchatmen und die Anspannung herauslassen. Auch die vielen Segensworte, die die Weggefährten zum Abschied für ihn bereithielten, berührten ihn sichtlich. Als letzter lud Schleidens Bürgermeister Ingo Pfennings Schumacher und seinen katholischen Amtsbruder Philipp Cuck zur Weihnachtssitzung des Schleidener Stadtrates, wo die beiden sich in das Goldene Buch der Stadt Schleiden eintragen werden. Anschließend entpflichtete Superintendent Hans-Peter Bruckhoff Schumacher von seinen Pflichten als Pfarrer in Schleiden. Nach dem Schlusssegen, den Oliver Joswig sprach, gingen Schumacher und die Gottesdienstbesucher aus der Kirche über die Straße in das Gemeindehaus. Hier hatten die vielen Besucher die Möglichkeit, sich persönlich von Schumacher zu verabschieden.

(Text: Stephan Everling)

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