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Hilfe aus Aachen für Bolivien, Nepal, Sierra Leone und Kamerun

Aachener Gruppe von „Ingenieure ohne Grenzen“ hilft vor Ort


Aachen. Bolivien, Nepal, Sierra Leone und Kamerun sind die vier Orte, an denen die Regionalgruppe Aachen von „Ingenieure ohne Grenzen“ aktiv ist. Die Studenten sorgen dafür, dass die Menschen vor Ort vor allem die dort herrschenden Hygieneprobleme in den Griff bekommen und über sauberes Trinkwasser verfügen. Dabei beziehen sie die Menschen mit ein, sei es beim Bau von Trockentoiletten oder beim Bau von Brunnen. „Es ist wichtig, dass das Wissen dort bleibt, auch wenn wir wieder weg sind“, sagt Florian Solbach, der in Sierra Leone aktiv wurde. Die hohe Kindersterblichkeit in dem Land, das als eines der ärmsten der Welt gilt, liege vor allem in der mangelnden Hygiene und dem oft verschmutzen Wasser begründet, erzählt er.

Gemeinsam mit den Menschen vor Ort haben die Aachener Trockentoiletten an einer Grundschule gebaut: So können mit den getrockneten Exkrementen später sogar Böden gedüngt werden. Parallel dazu unterrichten die Lehrer ihre Schüler in Sachen Hygiene. Nachhaltigkeit steht bei den Projekten der „Ingenieure ohne Grenzen“ ganz oben auf der Wunschliste. Und damit die Helfer nicht an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei planen, kooperieren sie jeweils mit einer Organisation vor Ort, die mit den Problemen der jeweiligen Bevölkerung bestens vertraut ist.

In Bolivien zum Beispiel kochen die Frauen in ihren Hütten auf Kochstellen ohne Rauchabzug: Auf lange Sicht ergibt sich daraus eine hohe Gesundheitsbelastung für alle Familienmitglieder. Die Aachener Ingenieure entwickelten gemeinsam mit Akteuren vor Ort ein Ofensystem, das die gefährlichen Schadstoffe über ein Ofenrohr nach außen ableitet und zudem auch noch besonders sparsam beim Verbrennungsvorgang des Holzes ist.

„Das war aber nur der Anfang“, sagt Marie-Sophie Braun. Mit einer neuen Technologie sei es zudem gelungen, die unberechenbaren, klimatischen Verhältnisse mit wechselnder Dürre und Regenzeiten in den Griff zu bekommen. „Eine eigens entwickelte Mikrobewässerung erlaubt nun einen kontinuierlichen Gemüseanbau“, erzählt sie. Und so entstünden immer neue Ideen, deren Umsetzung dann in Angriff genommen werde. Dem lokalen Partner vor Ort soll dabei die entscheidende Rolle zukommen. Denn wichtig sei bei allen Projekten gleichermaßen, dass das Wissen und die Fähigkeit des Ausbaus und der Reparatur der Neuerungen vor Ort gewährleistet sind.

Kein Wasser, kein Strom

Die Aachener Studenten verbringen zum Teil Monate in dem jeweiligen Land, um zu helfen. Dabei folgt jedes Projekt einer Struktur, die bei der Konzipierung der Idee und der Erkundung vor Ort beginnt und mit einer abschließenden Auswertung der Erfahrungen endet. „Und um all das zu finanzieren, gibt es keinen großen Topf“, sagt Cord Meyer. Jede Gruppe müsse sich auch zum Großteil selbst um die Finanzierung des jeweiligen Projektes kümmern. Entsprechend dankbar sind die Aachener Ingenieure für jede Unterstützung. Auch Firmen und Betriebe seien aufgerufen, zu helfen, so Meyer.

Für die Studenten jedenfalls ergeben sich spannende Einsatzorte: Jakob Glanz war in Nepal in Regionen unterwegs, in denen es kein öffentliches Stromnetz gibt. „Die Haushalte werden hier zum Teil durch kleine Wasserkraftwerke versorgt“, erzählt er. Aber die zum Teil abenteuerliche Verkabelung an den einzelnen Hütten zeige, dass es hier an technischem Wissen mangele. Ziel des Projektes sei entsprechend, das Thema „Strom“ schon in der Schule zu vermitteln, um die Wissenslücken dauerhaft zu schließen.

Und Tobias Holle war im tropischen Urwald in Kamerun. „Dort gibt es keinen Strom, keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und keine Sanitärversorgung“, sagt er. Auch hier geht es vor allem darum, die hygienischen Bedingungen zu verbessern.

Unabhängig von den Einsätzen im Ausland arbeiten Leute wie Jan Färber im Inland daran, die Menschen für globale Probleme zu sensibilisieren. Und die zum diesem Zweck entwickelten Projekttage werden von den Aachener Schulen demnach auch sehr gerne gebucht. Laut Cord Meyer ist die Regionalgruppe Aachen der „Ingenieure ohne Grenzen“ mit rund 100 Mitgliedern deutschlandweit die größte. Mit Blick auf die Bedeutung der RWTH und der FH sei das gar nicht so verwunderlich, sagt er. Entsprechend viele Studenten sind in Aachen bei den „Ingenieuren ohne Grenzen“ aktiv. Dennoch gehe es ohne Hilfen von außen nicht, meint Meyer mit Blick auf die Finanzierung der Projekte. Förderer und Unterstützer seien also jederzeit herzlich willkommen.

Von Martina Stöhr (AZ/AN-Bericht vom 11.12.2018)

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