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Kirche muss Gewohnheiten abschütteln

Zukunft der Kirche - Gedanken von Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel

Gewohnte Muster aufzubrechen, darin sieht die bayerische Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel die Hauptaufgabe in der Evangelischen Kirche. Die Seelsorge biete auch weiterhin gute Chancen, Menschen zu erreichen.

Die größte Hürde für eine nachhaltige und zukunftsweisende Veränderung von Kirche ist nach Ansicht der bayerischen Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel das Loslassen. Genau darin aber müsse man eine Chance sehen, sagte Preidel bei der Tagung "Evangelische Kirche - Wohin?" in der Evangelischen Akademie Tutzing. Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und knapp werdender Ressourcen gelte es, "Muster aufzubrechen", um nicht "in der Dauerschleife liebgewonnener Traditionen und Gewohnheiten gefangen zu bleiben".

In ihrem rund 60-minütigen Vortrag unter der Überschrift "Herausforderungen als Chance - Wie die Zukunft der Kirche gelingen kann" berichtete Preidel auch aus ganz persönlicher Perspektive. Sie sei davon überzeugt, "dass die Kirche nicht weniger wird, wenn wir uns in der Kunst des Loslassens und des Weglassens üben".

Vielmehr führe dies "zur Entdeckung der Einfachheit", wie sie es selbst etwa bei einer Auslandsreise in Costa Rica erlebt habe. Dort sei mit Unterstützung aus Bayern eine simple Holzkirche gebaut worden - ein "Ankerplatz", der als große Kostbarkeit gepflegt werde.

Eine wichtige Chance für die Kirche liege in einer ihrer Grundaufgaben, sagte Preidel: der Seelsorge. Um diese gut zu erfüllen, müsse man auch das eigene Kirchenbild "auf den Prüfstand stellen". Wolle man nur eine Organisation sein, die sich um ihre Mitglieder kümmert? Oder gehe man als Kirche über die eigenen Mitgliederreihen hinaus: "Sind wir da für Menschen, die uns brauchen, egal, ob sie durch die Kirchensteuer finanziell solidarisch sind mit dem, was wir tun, oder nicht?" Auch deshalb spricht sich Preidel für mehr Ökumene aus - auch und gerade im Bereich von Caritas und Diakonie.

"Ob Menschen mit der Kirche in Kontakt kommen und in Kontakt bleiben und ob diese Kirche einen prägenden Eindruck hinterlässt, steht und fällt mit der persönlichen Präsenz jener Menschen, die die Kirche im Lebensraum der Menschen repräsentieren." Man müsse, erläuterte die Präsidentin des bayerischen Kirchenparlaments, "den Wind der Veränderung" nicht fürchten, weil Gott selbst schließlich "der große Weltveränderer" sei. Die Herausforderungen für die Kirche seien, "nicht an ihrer eigenen bleiernen Schwere und Behäbigkeit unterzugehen", argumentierte Preidel.

An der Tutzinger Tagung nahmen verschiedene hochrangige Theologen, Praktiker und Funktionäre aus dem Bereich der evangelischen Kirchen teil.

(aus: epd)

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