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Sanierung der Roetgener Orgel schreitet voran

Die Königin der Instrumente soll am Ostersonntag wieder voll erklingen - Rund 1000 Pfeifen wurden ausgebaut und jede einzeln inspiziert

Die edle „Königin der Instrumente“ erhält eine Schönheitskur: Die altehrwürdige Orgel in der evangelischen Kirche in Roetgen wird derzeit aufwendig saniert. Der Zahn der Zeit hat über mehr als zwei Jahrhunderte an dem prachtvollen Instrument genagt. Mit hoher Fachkompetenz sorgt die renommierte und traditionsreiche Bonner Orgelbaufirma Johannes Klais wieder für wohltönende Klänge.

Bereits seit dem vergangenen Oktober sind die Experten in dem denkmalgeschützten Gebäude bei der Arbeit. Nach dem Abschluss des Projekts soll die Orgel eine besondere Form der „Wiederauferstehung“ erleben. Denn geplant ist, dass sie zum kommenden Osterfest Anfang April wieder kraftvoll erklingen soll, wie Pfarrer Jens-Peter Bentzin bei einem Ortstermin ankündigte.

Erste Kostprobe in den Weihnachtsgottesdiensten

Einen kleinen Vorgeschmack, wie es bald volltönend erklingen wird, konnten die Besucher der Weihnachtsgottesdienste erleben. Denn zu dieser Gelegenheit gab die Orgel bereits eine erste kleine Kostprobe auf die „neue Zeit“ und es ertönten die ersten wieder aufpolierten Register. Ansonsten ist die Kirche im Augenblick offiziell für die Wochengottesdienste nicht zugänglich, um die Arbeiten der Orgelbauer nicht zu stören. Es wird in das benachbarte Gemeindehaus ausgewichen. Trotz der Energiekrise wird die Kirche beheizt, damit die Mitarbeiter in den kalten Wintertagen nicht zu sehr frieren müssen bei ihrer anspruchsvollen Tätigkeit auf der relativ engen Orgelbühne.

Derzeit wird überwiegend an der elektrischen Verkabelung gearbeitet. Sie stammt noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und muss dringend modernisiert werden, um zuverlässig den Strom für dass Orgelgebläse zu liefern. Wenn solche Arbeiten an dermaßen alten Installationen angepackt werden, sind die Experten vor Überraschungen nie sicher. Die ältesten Teile der Orgel stammen aus der Zeit um das Jahr 1700 und sind damit 100 Jahre älter als die Kirche selbst. Der Hauptteil wurde um das Jahr 1835 gebaut. Und im Laufe der Zeit hat es zahlreiche Veränderungen und Umbauten  gegeben.

Staub, Schimmel und Bleifraß

Die „schlimmste Zeit“ sei nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen, als viele bis dahin originale Teile verschwunden seien, weiß Pfarrer Bentzin. Teilweise seien sie ersetzt worden durch vorgeblich „moderne“ Kunststoffe - die sich allerdings mittlerweile weitgehend auflösten. Aber auch die alte Substanz der Orgelpfeifen hat schwer gelitten. Sie wurden einst aus Blei gefertigt und sind durch chemische Prozesse ziemlich stark angegriffen und zersetzt worden. „Vieles sieht man erst, wenn alles komplett ausgeräumt ist“, weiß Orgelbauer Matthias Wagner.

So wurde auch entdeckt, dass die Statik des Gehäuses um das erneuerte Orgelgebläse sehr instabil geworden sei. „Es müssen viele kleine und große Entscheidungen getroffen werden, was erneuert und bewahrt werden kann“, sagt der Pfarrer. Viel Staub hatte sich angesammelt, sogar schimmelige Stellen wurden entdeckt und gereinigt, nachdem die nahezu 1000 einzelnen Orgelpfeifen ausgebaut worden waren. Diejenigen Exemplare, denen der Zahn der Zeit am heftigsten zugesetzt hatte - rund 200 Orgelpfeifen in allen Größen - wurden in die Werkstatt nach Bonn gebracht, wo sie entsprechend restauriert wurden. Eine Beschichtung aus mikrokristallinem Spezialwachs soll zukünftig die Oxidationsprozesse, den gefürchteten „Bleifraß“, stoppen.

Zuschüsse vom Land und Kirchbauverein

Die gesamte Orgelsanierung war zunächst mit einem Kostenvolumen von rund 76.000 Euro kalkuliert. Angesichts erst bei den Sanierungsarbeiten zu Tage getretener zusätzlicher Schäden rechnet Pfarrer Bentzin nun mit Kosten von bis zu 90.000 Euro. Diese werden zum überwiegenden Teil von der Evangelischen Kirchengemeinde Monschauer Land aus Kirchensteuermitteln getragen. Das Land NRW (Denkmalförderung), unser Kirchbauverein und Spenderinnen und Spender finanzieren mit. Dementsprechend muss kräftig weiter gesammelt werden, um die zusätzlichen Lasten aufzufangen.

Wenn dann die Sanierungs- und Erneuerungsarbeiten langsam in die Schlussphase treten, wird das Neustimmen der Orgel ein wichtiger, entscheidender Faktor für die Qualität des künftigen Klangs werden. Orgelbauer Matthias Wagner ist auch dabei ein Experte. Denn er hat ein Kirchenmusikstudium absolviert und war als Kantor tätig. Er kann sich somit also praktisch selbst „prüfen“, ob gute Arbeit geleistet worden ist. Doch dafür kommen eigens ausgewiesene Spezialisten. „Das Stimmen ist eine Wissenschaft für sich“, weiß Wagner. Der 57-Jährige ist seit 25 Jahren im Beruf. Schon viele renommierte Orgeln sind durch seine Hände gegangen, etwa in der Kathedrale im belgischen Brügge oder in Wien. An etwa 60 Orgeln habe er bislang Hand anlegen können, bilanziert er sein persönliches Werk.

Konservieren steht im Mittelpunkt

Die familiengeführte Firma Klais, mittlerweile in der fünften Generation, sei europaweit in den evangelischen und katholischen Kirchen unterwegs, wobei früher auch Aufträge etwa in Korea und China abgearbeitet worden waren. Die Roetgener Orgel mit ihren gerade mal 15 Registern zählt zu den mittleren Instrumenten, während der Weltrekord in der Passauer Domorgel bei rund 250 Registern steht.

Das Besondere der Arbeiten in Roetgen? „Unsere Aufgabe ist aus Kostengründen nicht überwiegend das Rekonstruieren, sondern das Konservieren“, sagt Matthias Wagner. Da müssen dann auch schon mal Kompromisse gefunden werden, um das Projekt für den Auftraggeber bezahlbar zu halten. „Unser Interesse ist, auf dem aufzubauen, das man uns anvertraut hat, um es an die nächsten Generationen weiterzugeben“, ergänzt Pfarrer Jens-Peter Bentzin die Verantwortung seiner Gemeinde. „Wir freuen uns darauf, unser Instrument im Frühjahr wieder willkommen heißen zu können.“

Text: Bertold Strauch

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