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Sonntag muss Sonntag bleiben

Die Superintendenten der Kirchenkreise Aachen und Jülich, der Bischof von Aachen und der Vorsitzende der DGB-Region NRW Süd-West sprechen sich für den Schutz des arbeitsfreien Sonntags aus - Gegen ausufernde Kommerzialisierung und Belastung von Familien

 

Eine gemeinsame „Aachener Erklärung“ zum Schutz des arbeitsfreien Sonntags haben Kirchen und Gewerkschaften in der Region Aachen heute veröffentlicht. Die Erklärung der Superintendenten der Evangelischen Kirchenkreise Aachen und Jülich, des Bischofs von Aachen und des DGB-Vorsitzenden der Region NRW Süd-West steht unter dem Titel „Sonntag muss Sonntag“ bleiben und richtet sich gegen eine ausufernde Kommerzialisierung des Sonntags und die durch Sonntagsarbeit entstehende Belastung der Beschäftigten und ihrer Familien.

Neue Europäische Allianz für den Sonntagsschutz

Der Anlass für die heutige Veröffentlichung der „Aachener Erklärung“ ist die für Montag geplante Sonntagsschutz-Konferenz in Brüssel, mit der die Europäische Allianz für den freien Sonntag an die Öffentlichkeit treten wird. Zudem, so sagte Ralf Woelk, Vorsitzender der DGB-Region NRW Süd-West, beabsichtige die rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf eine Novellierung des Ladenschlussgesetzes. Ein Bericht des Ministeriums dazu solle noch vor der Sommerpause in den Landtag eingebracht werden. Mit der Erklärung wollten die Aachener Unterzeichner auch in Hinsicht darauf einen Kontrapunkt setzen und den wichtigen Schutz des Sonntags hervorheben.

Gemeinsamer Tag der Muße ist kein Luxus

Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Aachen, Hans-Peter Bruckhoff, betonte bei der Pressekonferenz der Unterzeichner im Aachener DGB-Haus, dass Gewerkschaften und Kirchen ein gemeinsames Menschenbild verbinde, welches den Sonntag nicht als Luxus betrachte, sondern als elementaren Teil eines menschenwürdigen Lebens. „Am Sonntag als gemeinsamem freien Tag begegnen sich Menschen, die während der Woche keine Zeit miteinander verbringen können“, sagte Bruckhoff. „Am Sonntag können wir Freunde treffen, Gespräche führen oder auch an gemeinsamen Festen und Veranstaltungen teilnehmen. Von unserem christlichen Menschenbild geht etwas verloren, wenn wir diesen gemeinsamen Tag der Muße aufgeben.“

Tag der Ruhe könnte unwiederbringlich verloren gehen

Dass der Mensch eben nicht ausschließlich ein ‚homo oeconomicus‘ sei, hob der Jülicher Superintendent Jens Sannig hervor. „Wir brauchen diesen einen Tag, um uns auf den Wert des Menschen an sich zu besinnen“, sagte er. Als Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung sei der Sonntag durch eines der ältesten Gesetze der Menschheitsgeschichte geschützt. Wenn dieser eine für das gesellschaftliche Zusammenleben so wichtige Tag aufgegeben werde, könne er – wie schon in anderen europäischen Ländern sichtbar – nicht mehr zurückgebracht werden.

Rolf-Peter Cremer fügte als Vertreter des Bistums Aachen hinzu, dass durch die schleichende Aushöhlung des Sonntagsschutzes nicht nur die Vereinbarkeit für von Beruf und Familie leide, sondern dass die Sonntagsarbeit auch gesundheitliche Risiken berge. „Der Mensch braucht, wie auch Studien bewiesen haben, einen Rhythmus, in dem er an bestimmten Tagen zur Ruhe kommen kann. Ein immer unterschiedlicher und unterbrochener Rhythmus macht uns krank.“

Kunden sollten Konsumverhalten überdenken

Mit ihrer wörtlich gemeinten Aufforderung „Ruhe bewahren“ appellieren die Unterzeichner der Erklärung nun nicht nur an die Wirtschaft, ihre Ansprüche an Sonntagsarbeit zu überdenken, sondern auch an die Verbraucher: „Jeder Einzelne sollte sich noch einmal fragen, ob es für ihn oder sie wirklich notwendig ist, am Sonntag einzukaufen“, sagte Woelk. „Trotz ständig verfügbarer Internet-Shops und der Grenznähe können wir alle als Kunde die Entscheidung treffen, am Sonntag nicht einzukaufen und so auch die Händler beeinflussen.“


<link file:517 download>[PDF-Download der "Aachener Erklärung" zum Schutz des arbeitsfreien Sonntags]

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