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Stiller Abschluss zum Flutgedenken in Schleiden

Ökumenischer Gottesdienst zwischen abgeschlagenem Putz und aufgestapelten Bodenfliesen - Seelsorge ist auch nach einem Jahr noch wichtig

21.47 Uhr. Das war der Zeitpunkt, als in Schleiden der Katastrophenalarm ausgelöst wurde. 21.47 Uhr, den Zeitpunkt, als gleichzeitig der Strom ausfiel, zeigt auch nach einem Jahr noch die Turmuhr an der Evangelischen Kirche am Kreisverkehr.

Unübersehbar spielte das Thema Flut beim Gedenkgottesdienst in dem schwer getroffenen Gotteshaus die Hauptrolle. Denn der Gottesdienst fand zwischen den aufgestapelten Bodenfliesen der von dem Hochwasser schwer getroffenen Kirche statt. Und da auch die Orgel nicht funktionsfähig ist, war Pfarrer Dirk Voos auf die Sangeskünste der Gemeinde angewiesen, als das erste Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ angestimmt wurde. Der evangelische Geistliche zelebrierte den Gedenkgottesdienst gemeinsam mit seinem katholischen Amtsbruder Philipp Cuck.

Der hatte die Osterkerze dabei, die er in der Osternacht wie in jedem Jahr für die Evangelische Schwestergemeinde in der Stadt geweiht hatte. „Das erste offizielle Vaterunser in Schleiden habe ich, als ich 1989 hierher kam, hier in der evangelischen Kirche gebetet“, sagte Cuck.

Rund 100 Besucher waren zu dem Gottesdienst gekommen, der das offizielle Programm zum Jahrestag der Flut in Schleiden beschloss. Nach dem Gottesdienst läuteten die Glocken im Stadtgebiet für eine Viertelstunde.

Zuversicht nicht verlieren

Seit Dezember ist Pfarrer Voos, der den Gottesdienst mitgestaltete, von der Diakonie bis zum Ende des Jahres mit einer Spezialaufgabe in das Fluthilfezentrum in Schleiden abgestellt worden. Seine Aufgabe sei die Seelsorge, aber auch die Supervision, erläuterte er.

„Diese Aufgabe ist sehr wichtig und erfüllend“, sagte Voos. Seit 20 Jahren sei er in der Seelsorge mit Menschen, die in Extremsituationen gewesen seien. Dabei sei der Umgang mit diesen Menschen immer gleich. „Die Menschen, die im Hochwasser gewesen sind, müssen erst bereits sein für seelische Hilfe“, betonte er. Das werde ihnen oft erst nach Wochen bewusst, wenn Konflikte, Zweifel und Emotionen überfließen würden. „Wir können nicht mehr tun, als die Menschen dabei zu begleiten, ihr Leben in Ordnung zu bringen und die Zuversicht nicht zu verlieren“, das sei das Besondere in der Hochwasserseelsorge.

Nachdem der Tag mit den Gedenkfeiern in Schleiden und Euskirchen sehr anstrengend gewesen sei, sei es jetzt sehr schön zu sehen, wieviele Menschen gekommen seien, um still zu werden und etwas für die Seele zu tun, so der Pfarrer. 

(Text: Stephan Everling)

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