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Weihnachten - ohne Herberge?

Weihnachtsgruß des Superintendenten macht auf Leid afrikanischer Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen aufmerksam - "Das große Fest der Liebe Gottes gilt gerade denen, die kein Dach über dem Kopf haben"

An fast 400 Empfänger im Kirchenkreis hat Pfarrer Hans-Peter Bruckhoff, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Aachen, in diesem Jahr wieder Grüße zur Advents- und Weihnachtszeit gesendet. Besonders geht der Superintendent in seiner Weihnachtsbotschaft auf das Schicksal afrikanischer Flüchtlinge ein, die an den Außengrenzen der Europäischen Union stranden oder sogar sterben:

"In diesem Jahr hat ein unbekannter äthiopischer Künstler die Ankunft Gottes auf Papyrus gemalt: mitten in der Wüste, ein blauer Streifen deutet Wasser und Leben an. Maria, Josef und das Kind lagern im Wüstensand und der Stern, er leuchtet auf das Kind.

Menschen lagern in der Wüste, ohne Herberge, ohne Lebensmittel. Sie sind gestrandet an der Festung Europa, an den EU-Außengrenzen. Der Migrationsdruck in Marokko wächst aufgrund der Entwicklung im Lande selbst und in den anderen afrikanischen Staaten, so dass die Flüchtlings- und Wanderungsströme sich zunehmend über Marokko ergießen.

Die Situation ist sowohl für die Flüchtlinge als auch die Aktiven in der Flüchtlingsarbeit in der Weise eskaliert, dass direkt mit brutaler, zum Teil tödlicher Gewalt gegen die Flüchtlinge vorgegangen wird. Medizinische und humanitäre Hilfe wird massiv behindert und unterdrückt, so dass die Aktiven in der Flüchtlingsarbeit immer weniger Möglichkeiten haben, die Flüchtlinge ganz elementar zu unterstützen und das Verhungern und Verdursten zu verhindern. Menschen werden zu Tode geprügelt. Flüchtlinge werden als lebende Fracht in die Wüste verladen und in lebensfeindlicher Umgebung zum Sterben ausgesetzt.

Eine europäische Politik der Abschottung und der Vorrangstellung wirtschaftlicher Interessen vor dem Interesse, den elementaren Menschenrechten ganz konkret an den EU-Außengrenzen Geltung zu verschaffen, ist mit verantwortlich zu machen für diese eskalierende Spirale der Gewalt. Wir halten Kontakt zur evangelischen Kirche in Marokko, mehrfach hat eine Reisegruppe aus den Kirchenkreisen Jülich und Aachen die Flüchtlinge in Marokko besucht. <link internal-link internal link in current>Nähere Informationen darüber, was sich in dieser Lage konkret tun lässt, sind auf der Homepage des Kirchenkreises Aachen zu finden.

Weihnachten ist das große Fest der Liebe Gottes, die gerade denen gilt, die kein Dach über dem Kopf haben. Gott selbst ist Heimat und Zuhause für alle, die spüren, wie unbehaust unser Leben ist. Das erfahren in dieser Zeit nicht nur die Beschäftigten von Bombardier und ihre Familien, denen mit dem Arbeitsplatz auch eine gesicherte Zukunftsperspektive genommen ist. Die Zahl der wirtschaftlich und sozial Abgehängten wächst in unserem Land. Die Armut, gerade in Familien und unter Kindern, steigt.

Es geht in der "Weihnacht" um Leben im Tod, es geht um Licht in der Dunkelheit. Gott überlässt seine Schöpfung nicht sich selbst, er greift ein, er wird Mensch. Jesus Christus wird die selig preisen, die Hunger nach Gerechtigkeit haben. Gott kommt da an, wo wir mit leeren Händen und großen Augen an das Ende unserer Möglichkeiten gekommen sind, vielleicht nur noch die Kraft haben uns so hinzulegen wie Maria und Josef. An diesem Punkt der tiefsten Nacht leuchtet der Weihnachtsstern, gibt Gott immer wieder neu sein Versprechen: "Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids."

Allem Volk, jedem Menschen auf dieser Erde gilt diese Zusage. Deshalb setzen wir uns als Christen ein für die uneingeschränkte Durchsetzung und Geltung der Menschenrechte überall auf der Welt, auch an den EU-Außengrenzen. Ich grüße Sie und Euch herzlich und danke für Ihren und Euren Dienst und Einsatz im Sinne dieser Weihnachtsbotschaft, sowie alle erfahrene Weggemeinschaft und Begleitung in diesem Jahr.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und ein behütetes Neues Jahr,

Hans-Peter Bruckhoff
(Superintendent)

  • <link internal-link internal link in current>Mehr Informationen über die Situation afrikanischer Flüchtlinge in Marokko - Bericht von Susanne Degenhardt aus dem Evangelischen Kirchenkreis Aachen
  • <link http: www.kkrjuelich.de external-link-new-window external link in new>Weitere Informationen und Materialien auf den Internetseiten des Evangelischen Kirchenkreises Jülich
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