
Liebe Geschwister im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung!
Lassen wir uns noch so biblisch und fromm ansprechen? Was ich mit dieser Anrede für Sie und Euch zum Ausdruck bringen möchte, ist genau diese Erfahrung einer besonderen Gemeinschaft, die ich in den 25 Jahren unseres Diakonischen Werkes mit den Menschen, für die diese Arbeit geschieht und mit den Mitarbeitenden und Leitenden erleben durfte. Was hat uns denn in unseren Gemeinden und im Kirchenkreis mit der Arbeit und den Menschen unseres Diakonischen Werkes verbunden? Was haben wir erlebt auf Synoden, in denen wir im Gespräch waren mit den Mitarbeitenden und Betroffenen? Uns trägt und bewegt eine gemeinsame Blickrichtung auf das Leben, wir sind einem Auftrag und einer Aufgabe verpflichtet, die uns ganz erfüllt. Wir brauchen einander auf diesem Weg der Nachfolge, um wirklich bei den Menschen zu sein mit Wort und Tat. Diese Zusammenstellung von Glauben, Liebe und Hoffnung ist nicht für das Poesiealbum gedacht, sondern für die Straße, für das Leben und den oft harten Alltag vieler Menschen.
Im Evangelium (Lukas 10,25 – 37) beantwortet Jesus in der Erzählung vom barmherzigem Samariter die Frage eines Theologen nach dem richtigen Leben mit der Liebe zu Gott, zum Nächsten und zu sich selbst. Typisch für einen Theologen kontert dieser mit einer Gegenfrage, womöglich um sich diesem umfassenden Anspruch ein wenig zu entziehen: Wer ist denn mein Nächster? Mit der Erzählung vom barmherzigen Samariter kehrt Jesus die Fragerichtung um und zeigt auf, wie der Samariter zum Nächsten wurde für einen Anderen in Not. Wenn ich mich umschaue in unserer Zeit, so schreit diese Frage, wer ist unser Nächster, wem werden wir zum Nächsten gerade zum Himmel. Hier auf Erden sind wir zurzeit damit beschäftigt, uns abzugrenzen.
Unser diakonisches Werk im Kirchenkreis Aachen mit seinen Menschen und Arbeitsfeldern, mit seiner Leidenschaft und Professionalität war und ist für mich immer so etwas wie der barmherzige Samariter gewesen, der unsere Gemeinden und unsere Kirche daran erinnert, wem wir zum Nächsten Werden dürfen und sollen. Jedenfalls waren das die Fragen, die uns vor 25 Jahren umgetrieben haben und dazu geführt haben über die bisherige Gemeindediakonie hinaus ein gemeinsames Diakonisches Werk in unserem Kirchenkreis zu gründen. Es ging dabei immer um uns, um unsere Sendung als Kirche, um gelebte Nächstenschaft. Diese Frage, wie wir als Kirche die Menschen erreichen, die leise zur Seite geknickt sind, die aus der Mitte des Lebens und der Gesellschaft an den Rand gedrängt worden sind, hat unser diakonisches Werk in seinen 25 Jahren in beeindruckender Weise in den Schwerpunkten und in jeweils neu entwickelten Arbeitsfeldern mit dem hohen Lebenseinsatz unserer Mitarbeitenden beantwortet. Zugleich ist diese Frage nach dem Kontakt und der Nächstenschaft zu den Menschen für uns als Kirche immer bedrängender geworden in den letzten Jahrzehnten. Wenn wir die Frage, wozu der Glaube und die Kirche da sind und was Menschen in ihrem Alltag von uns haben nicht mehr überzeugend und erfahrbar beantworten können, verlieren wir die Menschen und sie uns aus den Augen. Ich habe das Miteinander unseres diakonischen Werkes mit unseren Gemeinde und dem Kirchenkreis in vielen Projekten der Zusammenarbeit und in vielen beeindruckenden Begegnungen als einen Segen für unsere Kirche erfahren. Um jetzt nicht missverstanden zu werden, unter diesem Segen verstehe ich auch die oft schwierigen und existentiellen Notwendigkeiten in unserem Diakonischen Werk und in unserem Kirchenkreis und seinen Gemeinden, sich finanziell und strukturell, inhaltlich und personell neu aufzustellen und dabei die verlässliche Gemeinschaft miteinander nicht aufzugeben. Übrigens taucht dieser Aspekt der Finanzierung von professioneller und nachhaltiger Nächstenliebe auch in der Erzählung vom barmherzigen Samariter auf, der dem Gastwirt, der den Ausgeraubten aufnimmt und weiter versorgt, Geld dafür gibt. Mein Wunsch für unseren Kirchenkreis und unser Diakonisches Werk lautet: Lasst uns dem lieben Evangelium neu vertrauen: die Aufgabe war im Blick auf unsere Möglichkeiten zu allen Zeiten zu groß. Er selbst, der Lebendige hält Glaube, Liebe und Hoffnung bereit und lässt uns zu Nächsten werden. Mit Glauben, Liebe und Hoffnung ist es wie mit dem Schwimmen, dass das Wasser trägt, erfahren wir nur, wenn wir den Sprung wagen.
Hans-Peter Bruckhoff, Superintendent a.D., (-2024) Kirchenkreis Aachen

Heike Keßler-Wiertz
Sprecherin des Vorstands
Geschäftsstelle
Reichsweg 30
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